News: Interview mit der Bienenmanufaktur Teil2

INTERVIEW MIT DER BIENENMANUFAKTUR

(Teil 2)

Wie führen Sie Mitarbeiter an das Thema Bienen ran?

Grundsätzlich gilt: Alles kann – nichts muss! D.h. alle können mitmachen aber niemand muss. Wir gehen hier einzeln oder in kleinen Gruppen mit klaren Regeln an die Bienenstöcke. Zudem gibt es entsprechende Schutzmaßnahmen und Aufklärungsgespräche bzgl. des Verhaltens am Bienenstock. Uns ist es ein Anliegen, jeden einzelnen Schritt zuvor zu erklären und auch den Sinn und Zweck der Handlungen zu erläutern. Es sind immerhin Wildtiere und es gibt einiges zu beachten. Im Übrigen werden die Menschen meist von anderen Insekten wie z.B. den Wespen gestochen und in den seltensten Fällen von Bienchen. Uns liegt sehr viel an Aufklärung und gemeinsames Beobachten und Erleben. Fragen haben immer Vorrang, es darf auch aus der Ferne mitgemacht werden. Wenn es jemandem zu viel Gesummse um den Kopf ist darf sich jeder und jede ohne Rechtfertigung von den Bienen entfernen, übrigens auch wir ☺.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen dies anzubieten?

Die Arbeit an den Bienen ist Faszination und Freude pur! Wir freuen uns sehr, diese mit anderen Menschen zu teilen und gemeinsam zu erleben. Und spätestens, wenn der eigene Honig mit den Fingern aus den Waben gekratzt und geschleckt wird, kann man an den Gesichtern sehen, warum wir das anbieten. Es ist wunderbar, die Erkenntnisse, die Faszination und Freude für andere erlebbar zu machen.

Was mögen Sie am Meisten an Ihrem Beruf als Imker?

Neben der Abwechslung der frischen Luft sicher das Beobachten des Superorganismus Bien – also eines Bienenvolkes. Es gibt verschiedenste Rollen und Aufgaben im Volk, die penibel genau aufeinander abgestimmt sind und beobachtbar sind. So ist die Königin auf Gedeih und Verderb von ihrem Volk abhängig. Also gar nicht herrschaftsgeführt, sondern gerade anders herum. Eine einzelne Biene ist nie überlebensfähig, nur die große Mende einzelner Bienen zusammen als ganzes Volk. Immerhin aktuell um die 40 bis 50 Tausend Bienen je Volk. Und dieses muss zusammenhalten, wie z.B. im Winter um nicht zu erfrieren. Das bedeutet absolute Struktur, Organisation, Loyalität und Fleiß von Jedem – das ist die Überlebensgarantie des Volkes. Das kann man schön auch in den Bezug auf Unternehmensstrukturen übertragen und diskutieren. Natürlich nicht zuletzt ist es der selbst erwirtschaftete, völlig natürliche Honigertrag als wahres Gold des Imkers. Zuletzt ist es ein kleines Unternehmen mit Berührung vieler verschiedenster Fakultäten wie Wissenschaft, Lebensmittelrecht, Natur- und Seuchenschutz, Vermarktung, Social Media und vieles mehr. Sich nach und nach einzelnes Wissen anzueignen, zu diskutieren, direkt anzuwenden und seine Fähigkeiten zu entwickeln ist einfach spannend.

Wie kamen Sie zu diesem Beruf?

Ehrlicherweise war es eine Diskussion im sommerlichen Biergarten, wie man zum normalen Berufsalltag eine sinnvolle, abwechslungsreiche Beschäftigung finden kann. Irgendetwas mit Tieren war schnell klar. Auf der Shortlist blieben nach ein paar Wochen am Ende die Wasserbüffelzucht oder eben Bienen. Der Zufall hat uns dann innerhalb kurzer Zeit zu den Bienen und noch mehr Arbeit gebracht. Allerdings zugegebenermaßen eine sehr schöne und ganz andere Arbeit, also wirklich Abwechslung und viel Spaß. Mit großem Respekt und Bewunderung nehmen wir das Projekt der Ansiedelung von Wasserbüffeln an der Murr bei Großbottwar wahr. Also ganz so abwegig war wohl auch diese Idee nicht ☺

Benni Lipinski